Kindliche Bindung – Relevanz für Entwicklung und Therapie
Inhalt dieser Weiterbildung
Kindliche Bindungsmuster wirken sich prägend auf das Gefühl von Sicherheit und den Explorationswille eines Kindes aus. Frühe Bindungserfahrungen spielen eine Rolle in der Resilienzentwicklung und somit in der psychischen Robustheit eines Menschen im weiteren Verlauf seines Lebens. Die Bindungsforschung liefert wichtige Erkenntnisse über die besonderen Bedürfnisse von kleinen Kindern nach Sicherheit und Geborgenheit einerseits und dem Ausleben ihres Erkundungsdrangs und der Entwicklung von Selbstständigkeit andererseits. Diese Erkenntnisse haben sich im Umgang mit Familien in der therapeutischen Praxis als hilfreich erwiesen.
Manche kindliche Verhaltensweisen treten gehäuft bei bestimmten Bindungsmustern auf und können Therapeuten als mögliches Signal für eine Bindungsauffälligkeit dienen. Psychische Auffälligkeiten sind eng mit unsicheren und desorganisierten Bindungen assoziiert, weshalb problematische Bindungsorganisationen als Risikofaktor für die gesunde Entwicklung eines Kindes angesehen werden.
In Anbetracht der zunehmenden kulturellen Vielfalt im therapeutischen Alltag ist es von Interesse, unterschiedliche Vorstellungen von Bindung und Interaktion sowie von erwünschtem kindlichem Verhalten zu betrachten. Obwohl Eltern verschiedener Kulturen eine sichere Bindung schätzen, kann sich dies bezogen auf das Bindungsmuster der Kinder sehr unterschiedlich auswirken.
Im Falle einer Bindungsproblematik ist es sinnvoll, therapeutische Interventionen entsprechend anzupassen und beispielsweise der ressourcenorientierten Elternarbeit einen besonders hohen Stellenwert einzuräumen. Ansätze aus der tiergestützten Therapie sind vielversprechend. Häufig ist eine unterstützende therapeutische Begleitung bei der praktischen Gestaltung einer positiven Eltern-Kind-Beziehung notwendig.
Die Teilnehmer lernen, welche Bindungserfahrungen den unterschiedlichen Bindungsmustern zugrunde liegen und wie eine unsichere oder desorganisierte Bindung sich von Bindungsstörungen unterscheidet. Außerdem erfahren sie, welche Auswirkung unsichere Bindungserfahrungen auf Verhalten und Lernen und somit auf den Therapieverlauf haben können. Die eigene Rolle in der Bereitstellung von verlässlichen Bindungserfahrungen wird erarbeitet.
Als mögliche Interventionsformen bei unsicheren Bindungserfahrungen und belasteten Eltern-Kind-Beziehungen werden die ressourcenorientierte Elternarbeit, Möglichkeiten der tiergestützten Therapie und die handlungsorientierte Beziehungsarbeit nach dem Du + Ich Konzept vorgestellt.