Faszien und Stressregulation: Die Rolle des Autonomen Nervensystems
Kursziel
Ziel des Fortbildungskurses ist es, den Teilnehmenden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Faszien, dem Autonomen Nervensystem (ANS), Stress und Körperwahrnehmung zu vermitteln. Sie lernen, diese Erkenntnisse in die therapeutische Praxis zu übertragen und erhalten praxisnahe Techniken zur Behandlung stressbedingter und muskuloskelettaler Beschwerden.
Lernziele
- Fundierte Kenntnisse über die Wechselwirkungen zwischen Faszien, dem Autonomen Nervensystem und emotionalen Prozessen.
- Bedeutung von Faszien für Körperwahrnehmung, Stressregulation und Schmerzverarbeitung.
- Anwendung therapeutischer Techniken zur Regulation des ANS und Behandlung von chronischem Stress oder posttraumatischen Belastungsstörungen.
Hintergrund
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Faszien eine aktivere Rolle spielen als lange angenommen. Sie können ihre Steifigkeit unabhängig von der neuromuskulären Steuerung verändern, wirken als potenzielle Schmerzquelle und sind ein reichhaltiges Sinnesorgan für Körperwahrnehmung. Studien belegen enge Wechselwirkungen zwischen Faszien, dem Autonomen Nervensystem und emotionalen Prozessen, was neue therapeutische Möglichkeiten eröffnet.
Lehrplan
Theorie
- Faszien als Sinnesorgan und Bedeutung für Propriozeption
- Wechselwirkungen zwischen Faszienspannung und Autonomem Nervensystem
- Faszien und Interozeption
- Auswirkungen von chronischem Stress auf myofasziales Gewebe
- Faszien im Kontext posttraumatischer Belastungsstörungen
- Kritische Einordnung populärer Vagus-Therapie-Konzepte
- Embodiment und Achtsamkeit in der faszialen Wahrnehmung
Praxis
- Ruffini-Stimulation im Nackenbereich
- CAKE-Technik zur Nutzung von Spiegelneuronen und Empathie
- Modifizierte Faszientechniken bei PTBS
- Atemtherapeutische Ansätze zur Regulation des ANS
- Bewegungspädagogische Modifikationen für Menschen mit PTBS
- Achtsame Mikrobewegungen in manualtherapeutischen Ansätzen
- Einfluss achtsamer Präsenz auf therapeutische Interaktion
Dozent
Dr. Robert Schleip, Dr. biol. hum., Diplom Psychologe, Leiter der Fascia Research Group der Universität Ulm und Forschungsdirektor der European Rolfing Association. Autor zahlreicher Fachpublikationen zum Thema Faszien.